bewusste Veränderung

Heute möchte ich dir erzählen, wie ich praktiziere, wenn ich mir ein Thema in meinem Leben genauer anschaue. In regelmäßigen Abständen knöpfe ich mir einen Lebensbereich vor und für einen bestimmten Zeitraum schaue ich mir genau an, was in diesem Lebensbereich abläuft. Solche Lebensbereiche waren bisher z.B. meine Gesundheit, meine Arbeit, meine Freizeitgestaltung. Diese kleinen inneren „Forschungsprojekte“ helfen mir, mich selbst und mein Leben besser kennen zu lernen und Lebensbereiche bewusst zu verändern und zu gestalten. Oft meinen wir genau zu wissen, was wir verändern sollten und nehmen uns gleich ein paar To-Dos oder Ziele vor – meist scheitert es jedoch an der nachhaltigen Umsetzung. Dies liegt oft daran, weil diese Ziele nur in unserem Kopf geboren wurden und nicht mit dem ganzen Körper und unseren Gefühlen. Solche Kopf-veränderungs-entscheidungen hinterlassen meist eine frustrierte und von sich selbst enttäuschte Susanna. Kennst du das auch? So kamen meine achtsamen „Forschungsprojekte“ in mein Leben, die mich meine Gewohnheiten und Muster – mein Leben – am eigenen Leibe spüren lassen. Aufgrund des direkten Erfahrens kommt es zu Veränderung ohne Anstrengung… ohne Wollen… als logische Konsequenz des Erkennens! Ich nehme mir nicht mehr vor, ab heute werde ich gesünder, arbeite mehr oder weniger, oder male in meiner Freizeit. Der erste Schritt ist, dass ich diesen Lebensbereich bewusst erlebe. So spüre ich z.B. die Dumpfheit oder Ruhelosigkeit am Abend nach getanem Tagwerk oder spüre die Wirkung des Kaffees in meinem Körper und auch in meiner Arbeit halte ich immer wieder inne und spüre nach, wie es sich gerade anfühlt. Wie fließt mein Atem, halte ich Spannung oder gibt es Gefühle, die meine Aufmerksamkeit brauchen? D.h. ich denke nicht über den zu erforschenden Lebensbereich nach, sondern bin bewusst (in meinem Körper verankert) in den Situationen. So spüre ich das Unwohlsein, wenn ich zulange bei Facebook verweilt bin, den Stress in meinem Körper, wenn ich nur meine To-Do-Liste abhacke und mich selbst antreibe. Meist blenden wir diese Reaktionen des Körpers, unserer Gefühlswelt und des Geistes einfach aus. Die Bereitschaft diesen Moment wirklich zu spüren, öffnet uns jedoch die Augen und wir bemerken, was in unserem Leben abläuft und Veränderung passiert fast automatisch, weil die Effekte unseres Tuns und Denkens so offensichtlich sind.

„Forschungsprojekt“ Beziehungen:

Wir sind im Moment mitten im Themenschwerpunkt „Beziehungen“ und so setze ich mich gerade auf diese Art und Weise mit Beziehungen auseinander. Ich bin bewusst in meinem Körper, wenn ich mit Menschen in Interaktion bin. Ich möchte spüren, was in meinem Körper und in meinen Gefühlen passiert, wenn ich mit Menschen zusammen bin: Schießt meine Energie in den Kopf, weil ich dauernd auf eine kurze Pause warte um mit meinem Wissen einhaken zu können? Bin ich überhaupt in meinem Körper, wenn ich spreche oder fühlt es sich so an, als würde ich eine leere Hülle zurück lassen? Möchtest du das auch probieren? – Es ist faszinierend zu bemerken, wie viel in Begegnungen automatisch und völlig unbewusst passiert. – Es ist so bereichernd automatisch ablaufende Muster immer früher zu bemerken und mehr Gestaltungsmöglichkeiten in Beziehungen zu erkennen und zu nutzen. – Es ist so heilsam, Gefühle, die in Interaktionen aufkommen zu erkennen und sich selbst um diese kümmern zu können. Es braucht nur deine Bereitschaft, in dir selbst zu Hause zu bleiben, wenn du mit anderen Menschen zusammen bist!
Sei in dir zu Hause – wenn du mit anderen zusammen bist
 
Bei der letzten sunday-morning-practice kam in diesem Zusammenhang eine berechtigte Frage auf: „Muss ich dann meine Aufmerksamkeit teilen: ein Teil meiner Aufmerksamkeit bleibt bei mir und ein Teil geht zum anderen – fühle ich mich dann getrennt vom anderen?“ Vielleicht hattest du schon mal Momente intensiver Achtsamkeit, in denen ist dir wahrscheinlich aufgefallen, dass du z.B. deinen Atem spüren und gleichzeitig die Zwiebel schälen kannst. Da ist keine Trennung zwischen dir und der Zwiebel – vielmehr ist Einheit und Verbundenheit spürbar, die wir beim Zwiebelschälen, in Gedanken verweilend, nicht bemerken. Wenn ich auf diese Art und Weise koche, bin ich automatisch in mir zu Hause und bin aber auch in vollkommenem Kontakt mit den Lebensmitteln. Ich weiß, es ist viel, viel leichter mit Zwiebeln, mit malerischen Sonnenuntergängen oder bei intimen körperlichen Begegnungen… aber es geht auch in „normalen“ Interaktionen – dazu braucht es jedoch Übung!

Eine der wichtigsten Erkenntnisse im bisherigen Forschungsprojekt:

Ich muss „gut“ praktizieren, damit ich in Beziehungen bewusst bleiben kann. Was heißt das? Ich übe täglich, in unterschiedlichen Situationen, dass ich in meinem Körper zu Hause bin. Z.B. verbinde verbinde ich mich morgens mit meinem Atem und spüre meinen Körper. Besonders hilfreich ist meine tägliche Gehmeditation im Park oder Garten, manchmal nur ein paar Schritte und manchmal mache ich eine größere Runde. Dadurch komme ich in Verbindung mit mir selbst und dem Tag. Außerdem versuche ich bei all meinen Routinetätigkeiten (z.B. Staubsaugen, abwaschen, duschen) in meinem Körper zu bleiben und auch bei geistig komplizierteren Tätigkeiten halte ich immer wieder inne und spüre meinen Körper und Atem. Besonders hilfreich sind mir, die Meditationsrunde und Workshops, es fühlt sich so an, als würde mir das gemeinsame Praktizieren eine große Dosis Achtsamkeit injizieren, die mich auch im Alltag trägt.  Deshalb freue ich mich schon so sehr auf unsere nächste sunday-morning-practice (am 12.02.) zum Thema: einfach praktizieren – Wir werden an diesem Tag einfach praktizieren und Achtsamkeit aufbauen – lass dich überraschen, wie anders dir dadurch deine innere und äußere Welt erscheint. Es gibt an diesem Tag eine intensive und eine basic Einheit.

Hast du Lust auf Praktizieren ohne viele Schnörkel? einfach praktizieren! Ich freue mich, wenn du dabei bist! Aber warte nicht bis zu einem Workshop, nicht bis zur Meditationsgruppe oder einem anderen hilfreichen Ereignis… beginne sofort und spüre jetzt deinen Körper, während du diese Zeilen liest. Atme während du das Gemüse schneidest oder das Geschirr badest ;-)).
Sei in dir – so bist du mit den anderen! Sei für dich da – so bist du für die anderen da!
 
 
Was für eine schöne Welt, wenn wir das alle können! Ich freue mich riesig, wenn du deine konkreten Erfahrungen und Fragen aus deinem Alltag mit mir teilst… ich philosophiere nicht so gern und spreche auch ungern auf abstrakter Ebene… aber ich fühle mich reich beschenkt, wenn du mich an deiner persönlichen Praxis teilhaben lässt! Deine Erfahrungen sind wie Nahrung für mein Feuer! Alles Liebe!