miteinander heilen & wachsen

Sehr berührt, erfüllt und voller Freude sitze ich an meinem Schreibtisch. Das letzte Wochenende verbrachte ich mit meinen wunderbaren Kolleginnen und Freundinnen Silke und Danja in Kärnten am Wörthersee – in der Heimat von Silke. Wir veranstalteten ein internes Retreat – Zeit miteinander und füreinander. Ich sah gar keine so große Notwendigkeit dafür, doch Silke spürte intuitiv schon zu Beginn unserer Zusammenarbeit die Wichtigkeit mal wirklich Zeit füreinander zu haben… Zeit ohne auf die Uhr schauen zu müssen, weil das nächste Coaching wartet oder die Kinder ein Mittagessen brauchen. Wir freuten uns auf diese Zeit – aber was uns dort erwartete, konnte sich wohl keine von uns vorher vorstellen: wir tauchten in intensive Prozesse und nahmen uns gegenseitig mit allem an, was uns ausmacht. Das liebevolle Sprechen und tiefe Zuhören trug uns, wie eine sanft schaukelnde Hängematte und wir konnten uns in Bereiche und Ideen vorwagen, die jeder von uns alleine verschlossen bleiben.   wirkliche Begegnung in meinem ganz normalen Alltag Meine große Sehnsucht: einander wirklich zu begegnen und das nicht nur für ein kurzes Retreat, sondern auch danach in der gemeinsamen Arbeit, ging mit diesen Tagen in Erfüllung. Ich dachte mir immer, dass diese Form des Zusammenseins und Zusammenarbeitens nur im Kloster – und da ganz speziell nur in Plum Village – möglich ist und bin überwältigt, dass wir diese Art der Begegnung auch in unserem täglichen Leben erfahren können. Begegnung, die heilt. Begegnung, die wachsen lässt. Sprechen und Zuhören, das heilt. Sprechen und Zuhören, das wachsen lässt.
Thich Nhat Hanhs (Thay) Satz: „Im Prozess der Gemeinschaftsbildung verwandeln und heilen wir uns selbst.“ wurde plötzlich so offensichtlich. (achtsam sprechen – achtsam zuhören, 2013)
 
Neben meinem Studium absolvierte ich 2002 eine einjährige Ausbildung zur Persönlichkeits-, Kommunikations- und Mentaltrainerin. Die Bereiche Persönlichkeits- und Mentaltraining fand ich sehr spannend. Kommunikationstraining hingegen interessierte mich nicht: anfangs, weil ich dachte ich kann das sowieso alles – ich war so unbewusst, dass mir gar nicht auffiel, wie „schlecht“ ich kommunizierte und nach vielen Jahren Beziehung und Familie interessierte es mich nicht mehr, weil ich oft das Gefühl hatte keinerlei Ahnung zu haben. An diesem Wochenende spürte ich jedoch, wie Sprechen und Zuhören, die tief menschliche Sehnsucht verstanden und angenommen zu werden, stillen kann. Spürst du auch oft die Kraft und Macht von Worten? Nimmst du dir auch manchmal vor, anders zu reden oder besser zuzuhören… aber es gelingt nicht? Das Sprechen hat sehr viel mit unserem inneren Raum zu tun. Die Färbung unseres inneren Raumes zeigt sich in der Färbung unserer Sprache. Ein klarer, entspannter innerer Raum zeigt sich in einer klaren, entspannten Sprache. Ein innerer Raum voll Durcheinander, Stress, lieblosen Gedanken bringt auch nur Unklarheit, Stress und Lieblosigkeit hervor. Möchtest du dir auch manchmal etwas verkneifen und schon schlupft es aus deinem Mund? Es war in deinem Raum und es entwich ihm.
Vor einigen Tagen entdeckte ich folgenden Text, der mich sehr berührte und genau dies widerspiegelt:
 
„Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55,10-11)
 
Ich bin überzeugt, Jesaja spricht von Gottes Wort – aber schau mal genau hin, ist es mit unseren Worten nicht genauso? Unsere Worte verlassen wie der Regen oder der Schnee unseren inneren Raum und treffen auf unsere Umgebung, unsere Mitmenschen – es bewirkt dort genau das, „wozu“ ich es ausgesandt habe… auch wenn ich mir darüber oft nicht bewusst bin. Unsere Mitmenschen (Tiere und bestimmt auch Pflanzen und Gegenstände) spüren die Qualität des inneren Raumes, dem unsere Worte entspringen und reagieren darauf. So bringen unsere Worte Keime und Sprossen. Ich weiß, dass du das weißt. Aber hat dies die Ebene des Wissens schon mal verlassen und kannst du es mit deinem ganzen Körper spüren? Dein Denken und Sprechen verlässt deinen inneren Raum, wie das Wasser einer Gießkanne und „gießt“ die Umgebung. Die Qualität des Wassers oder Düngers entscheidet wie das Begossene wächst. „Kunst des Blumengießens“ Die Kunst des Blumengießens lernte ich 2007 in Plum Village kennen. Einmal in der Woche tranken wir miteinander Tee, aßen Kekse und „gossen die Blumen“ – Wir lenkten unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir am anderen schätzen und verliehen dem Ausdruck. In den ersten drei Wochen „hasste“ ich diese Zusammenkunft. Ich war eher scheu und überhaupt nicht gewohnt auf diese Art zu sprechen. Endlich in der vierten Woche wagte ich es, mit dem Gedanken „jetzt oder nie“ und war überrascht, wie leicht es ging. Ich musste mir gar nicht viel überlegen, es sprudelte einfach aus mir heraus uuuuuuunnnnnnd es war so erfüllend zu gießen, dass ich nachher ganz beflügelt war. Es überraschte mich, dass das Gießen noch mehr Freude brachte, als selbst gegossen zu werden.   In der Beziehung mit Wolfgang meinte ich oft, wir müssten über die Differenzen und Schwierigkeiten sprechen – für eine tragfähige, erfüllte, wachsende Beziehung… doch das bewusste Blumen gießen, schafft ungeahnte Nähe und macht Beziehungen tragfähig, erfüllend und lässt sie wachsen. Du kannst dich bewusst mit deinem Partner/deiner Partnerin zusammensetzen, die Glocke einladen, deine Aufmerksamkeit auf den Atem lenken und dann den anderen/die andere, wie eine Blume voller Liebe gießen. Es ist wunderschön, auch wenn es anfangs sehr ungewohnt für euch beide sein kann. Ich bin manchmal sogar leicht nervös, auch wenn Wolfgang und ich schon so lange zusammen sind. Auch wenn ihr euch gerade nicht so gut versteht – beginnt euer Zusammensein immer mit dem Blumen gießen und nicht mit den Schwierigkeiten. Es macht eure Erde weich und aufnahmefähig – das Gespräch nachher kann viel fruchtender sein, als wenn ihr auf Konfrontation geht. Oft ist es sogar ratsam ein paar Wochen nur die Blumen zu gießen und erst später auch die Schwierigkeiten hinzuzunehmen. Dies ist eine sehr wertvolle Übung und es braucht nur ein bisserl Mut und aufrichtiges Bemühen/Achtsamkeit. Achtsamkeit dafür, dass du nur reines Wasser verwendest und keine giftigen Substanzen untermischst. Sollte diese Übung als Ritual zu ungewöhnlich für euch beide sein, dann übe „informell“. Drücke aus, was dir an ihm/ihr gefallt, was er/sie gut gemacht hat, wie er/sie dich erfreut… z.B. ein Satzerl, beim Abendessen oder wertschätzendes Wort am Waschbecken in der Früh oder vor dem Gute-Nacht-Kuss. Du wirst überrascht sein, wieviel Nähe und Freude dadurch entsteht im anderen – aber auch in dir selbst. Weite diese Übung aus: auf deine Eltern, deine Kinder, deine Freunde/Freundinnen, die Kassiererin im Supermarkt, die Lehrerin des Sohnes,… oft sind Menschen verwundert und haben das Gefühl, man möchte etwas von ihnen, doch wenn du sanft, offen und ehrlich sprichst, dann wird dein Gegenüber gegossen – und es richtet sich wieder etwas in ihm/ihr auf. dir selbst zuhören Ja, dies ist ein Geheimnis gelingender Kommunikation, aber es gibt noch eine Zutat, die essentiell ist: Die Kommunikation mit dir selbst. Dass du dir jeden Tag selbst zuhörst. Diese Begegnung findet nicht statt, indem du besonders viel denkst. Sondern im Gegenteil, indem du dich im Nicht-Denken und Nicht-Sprechen übst und dich von deinem Atem zurück zu dir selbst führen lässt. Du betrittst deinen inneren Raum und nimmst wahr, was du dort vorfindest. Nun braucht es wieder kein Tun oder Umdenken: dein Atem und dein Wahrnehmen umsorgen den inneren Raum und lassen ihn wieder klar werden. Sollte dir das alleine nicht gelingen, hilft vielleicht gemeinsames Atmen oder achtsames Zuhören. Aber vor allem die tägliche Hingabe an dich selbst ist hilfreich. Egal wie du dich gerade fühlst, egal, was gerade in dir vorgeht, egal wie stinkig sich dir dein innerer Raum zeigst… du wendest dich dir zu und hörst zu, schaust hin… bist für dich da. Wie wundersam und liebevoll mich das Leben für die nächste sunday-morning-practice „von Innen nach Außen – sprechen“ (18.03.) vorbereitete. Es ließ mich erfahren, wie die Praxis von Innen nach Außen fließt und wie wir dadurch tatsächlich miteinander heilen und wachsen können. diese tiefe und heilsame Erfahrung mit Danja und Silke stärkte meine Gewissheit: Ja, es ist möglich: auch in unserem ganz normalen Alltag, in unserer ganz normalen Arbeitswelt, in unseren ganz normalen Beziehungen diese Art der Begegnung zu erleben.
Es braucht Zeit. Es braucht bewusstes Auseinandersetzen mit mir selbst. Es braucht die Bereitschaft einander wirklich zu begegnen.
Doch es ist möglich und lässt Neues in unseren Leben entstehen. Wir werden am Sonntag:
  • Den inneren Raum betreten und uns selbst zuhören
  • Spüren, wie alles, was in uns ist auch nach Außen fließt.
  • Mit schwierigen/schmerzhaften Gesprächen üben und
  • uns anschauen, wie wir liebevolles Sprechen in unserem Alltag kultivieren können.
Magst du mitüben? Hier findest du nähere Infos und kannst dich anmelden. Ich freue mich so sehr auf dich! In welchen Beziehungen könntest du heilen und wandeln? Was strömt aus deinem inneren Raum? Wie gießt du dein Umfeld? Wie geht’s dir mit dem Sprechen und Zuhören? So sehr würde ich mich freuen, von dir zu lesen! Teile deine Erfahrungen mit mir! Alles Liebe und einen heilsamen Tag!