wirkliche Begegnung in meinem ganz normalen Alltag
Meine große Sehnsucht: einander wirklich zu begegnen und das nicht nur für ein kurzes Retreat, sondern auch danach in der gemeinsamen Arbeit, ging mit diesen Tagen in Erfüllung. Ich dachte mir immer, dass diese Form des Zusammenseins und Zusammenarbeitens nur im Kloster – und da ganz speziell nur in Plum Village – möglich ist und bin überwältigt, dass wir diese Art der Begegnung auch in unserem täglichen Leben erfahren können.
Begegnung, die heilt.
Begegnung, die wachsen lässt.
Sprechen und Zuhören, das heilt.
Sprechen und Zuhören, das wachsen lässt.
Thich Nhat Hanhs (Thay) Satz:
„Im Prozess der Gemeinschaftsbildung verwandeln und heilen wir uns selbst.“
wurde plötzlich so offensichtlich. (achtsam sprechen – achtsam zuhören, 2013)
Vor einigen Tagen entdeckte ich folgenden Text, der mich sehr berührte und genau dies widerspiegelt:
„Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und
nicht dorthin zurückkehrt,
sondern die Erde tränkt und
sie zum Keimen und Sprossen bringt,
so ist es auch mit dem Wort,
das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
sondern bewirkt, was ich will,
und erreicht all das,
wozu ich es ausgesandt habe.“
(Jes 55,10-11)
In der Beziehung mit Wolfgang meinte ich oft, wir müssten über die Differenzen und Schwierigkeiten sprechen – für eine tragfähige, erfüllte, wachsende Beziehung… doch das bewusste Blumen gießen, schafft ungeahnte Nähe und macht Beziehungen tragfähig, erfüllend und lässt sie wachsen.
Du kannst dich bewusst mit deinem Partner/deiner Partnerin zusammensetzen, die Glocke einladen, deine Aufmerksamkeit auf den Atem lenken und dann den anderen/die andere, wie eine Blume voller Liebe gießen. Es ist wunderschön, auch wenn es anfangs sehr ungewohnt für euch beide sein kann.
Ich bin manchmal sogar leicht nervös, auch wenn Wolfgang und ich schon so lange zusammen sind. Auch wenn ihr euch gerade nicht so gut versteht – beginnt euer Zusammensein immer mit dem Blumen gießen und nicht mit den Schwierigkeiten. Es macht eure Erde weich und aufnahmefähig – das Gespräch nachher kann viel fruchtender sein, als wenn ihr auf Konfrontation geht. Oft ist es sogar ratsam ein paar Wochen nur die Blumen zu gießen und erst später auch die Schwierigkeiten hinzuzunehmen.
Dies ist eine sehr wertvolle Übung und es braucht nur ein bisserl Mut und aufrichtiges Bemühen/Achtsamkeit. Achtsamkeit dafür, dass du nur reines Wasser verwendest und keine giftigen Substanzen untermischst. Sollte diese Übung als Ritual zu ungewöhnlich für euch beide sein, dann übe „informell“. Drücke aus, was dir an ihm/ihr gefallt, was er/sie gut gemacht hat, wie er/sie dich erfreut… z.B. ein Satzerl, beim Abendessen oder wertschätzendes Wort am Waschbecken in der Früh oder vor dem Gute-Nacht-Kuss. Du wirst überrascht sein, wieviel Nähe und Freude dadurch entsteht im anderen – aber auch in dir selbst.
Weite diese Übung aus: auf deine Eltern, deine Kinder, deine Freunde/Freundinnen, die Kassiererin im Supermarkt, die Lehrerin des Sohnes,… oft sind Menschen verwundert und haben das Gefühl, man möchte etwas von ihnen, doch wenn du sanft, offen und ehrlich sprichst, dann wird dein Gegenüber gegossen – und es richtet sich wieder etwas in ihm/ihr auf.
dir selbst zuhören
Ja, dies ist ein Geheimnis gelingender Kommunikation, aber es gibt noch eine Zutat, die essentiell ist:
Die Kommunikation mit dir selbst.
Dass du dir jeden Tag selbst zuhörst.
Diese Begegnung findet nicht statt, indem du besonders viel denkst. Sondern im Gegenteil, indem du dich im Nicht-Denken und Nicht-Sprechen übst und dich von deinem Atem zurück zu dir selbst führen lässt. Du betrittst deinen inneren Raum und nimmst wahr, was du dort vorfindest. Nun braucht es wieder kein Tun oder Umdenken: dein Atem und dein Wahrnehmen umsorgen den inneren Raum und lassen ihn wieder klar werden. Sollte dir das alleine nicht gelingen, hilft vielleicht gemeinsames Atmen oder achtsames Zuhören.
Aber vor allem die tägliche Hingabe an dich selbst ist hilfreich. Egal wie du dich gerade fühlst, egal, was gerade in dir vorgeht, egal wie stinkig sich dir dein innerer Raum zeigst… du wendest dich dir zu und hörst zu, schaust hin… bist für dich da.
Wie wundersam und liebevoll mich das Leben für die nächste sunday-morning-practice „von Innen nach Außen – sprechen“ (18.03.) vorbereitete. Es ließ mich erfahren, wie die Praxis von Innen nach Außen fließt und wie wir dadurch tatsächlich miteinander heilen und wachsen können. diese tiefe und heilsame Erfahrung mit Danja und Silke stärkte meine Gewissheit:
Ja, es ist möglich:
auch in unserem ganz normalen Alltag,
in unserer ganz normalen Arbeitswelt,
in unseren ganz normalen Beziehungen
diese Art der Begegnung zu erleben.
Es braucht Zeit.
Es braucht bewusstes Auseinandersetzen mit mir selbst.
Es braucht die Bereitschaft einander wirklich zu begegnen.
Doch es ist möglich und lässt Neues in unseren Leben entstehen.
Wir werden am Sonntag:
- Den inneren Raum betreten und uns selbst zuhören
- Spüren, wie alles, was in uns ist auch nach Außen fließt.
- Mit schwierigen/schmerzhaften Gesprächen üben und
- uns anschauen, wie wir liebevolles Sprechen in unserem Alltag kultivieren können.